LVR-Jugendhilfe Rheinland – AWG Steinberg

Neubau eines Stammhauses mit drei intensivpädagogischen Wohngruppen in Remscheid. 

Mit dem Ersatzneubau am Standort Steinberg entsteht eine zeitgemäße Infrastruktur für die stationäre Jugendhilfe. Das Projekt reagiert auf den steigenden Bedarf an differenzierten, pädagogisch begleiteten Wohnformen für Mädchen und junge Frauen mit besonderem Unterstützungsbedarf. Es schafft räumliche Voraussetzungen für Stabilität, Schutz und individuelle Förderung und stärkt damit ein zentrales Element der sozialen Daseinsvorsorge auf kommunaler und regionaler Ebene.

Bergstermann & Dutczak Architekten Ingenieure GmbH begleiten das Projekt in den Leistungsphasen 2–9 von der Vorplanung bis zur Objektüberwachung. 

Projektdaten

Projekt: Neubau eines Mädchenwohnheims 
Bauherr: Landschaftsverband Rheinland

Nutzer:  Intensivpädagogische Wohngruppen für Mädchen und junge Frauen 

Projektzeitraum: In Planung seit 2020
Bruttogrundfläche: 1.800,00 m²

Bauweise: konventionelle Bauweise  

Leistung: Planung + Bauleitung, LP 2-9


Projektanlass und Zielsetzung

Das bestehende Hauptgebäude der Jugendhilfeeinrichtung am Standort Steinberg in Remscheid wird ersetzt. Ziel ist die Errichtung eines neuen Stammhauses, das drei intensivpädagogische Wohngruppen mit insgesamt 21 Bewohnerzimmern sowie drei Apartments zur Verselbstständigung aufnimmt.

Neben den Wohneinheiten entstehen Verwaltungsbereiche und ein Mehrzweckraum. Die Einrichtung dient der Betreuung, Förderung und Erziehung von Mädchen und jungen Frauen. Medizinische oder pflegerische Leistungen sind nicht Bestandteil des Nutzungskonzepts. Teile des Gebäudes sind für Besucher zugänglich und erfüllen die Anforderungen der DIN 18040 an barrierefreie öffentliche Bereiche.

Städtebauliches und landschaftliches Konzept

Das Grundstück liegt am Ende der Steinstraße in Remscheid in ausgeprägter Hanglage. Ein Bebauungsplan besteht nicht; das Vorhaben fügt sich gemäß § 34 BauGB in die Eigenart der näheren Umgebung ein.

Der Neubau wird westlich des bisherigen Hauptgebäudes mit Abstand zur Grundstücksgrenze positioniert. Die vorhandene Stellplatzanlage im Nordwesten bleibt erhalten und wird auf zwölf Stellplätze erweitert, darunter ein barrierefreier Stellplatz.

Die Freianlagen reagieren auf den starken Geländeverlauf mit einer Staffelung in mehreren Ebenen. Auf Eingangsniveau befinden sich Zugang und Parkplatz. Eine darunterliegende Ebene am Untergeschoss nimmt eine Terrasse sowie Flächen für gärtnerische Aktivitäten auf. Die östlich gelegene, tieferliegende Ebene wird als Spiel- und Sportbereich ausgebildet. Der unterste, waldnahe Grundstücksbereich bleibt von baulichen Maßnahmen unberührt.


Architektonisches Gesamtkonzept

Der Neubau umfasst vier Geschosse zuzüglich Technikgeschoss. Der Haupteingang liegt auf Erdgeschossniveau. Aufgrund der Gebäudehöhe wird ein Aufzug vorgesehen.

In Erdgeschoss sowie erstem und zweitem Obergeschoss sind jeweils eine Wohngruppe mit sieben Bewohnerinnen, ein Nachtbereitschaftszimmer sowie ein Apartment angeordnet. Die Grundrisse der drei Ebenen folgen einer einheitlichen Struktur.

Die gemeinschaftlichen Bereiche mit Küche und Essplatz orientieren sich nach Osten. Der Wohnbereich liegt zur Westseite und ist über eine verglaste Trennwand vom Küchen- und Essbereich separiert. Bewohnerzimmer und zugehörige Nebenräume befinden sich in der ruhigeren, rückwärtigen Gebäudehälfte.

Im Untergeschoss sind Verwaltungsräume, ein Therapieraum sowie gruppenzugeordnete Neben- und Hauswirtschaftsräume untergebracht. Zwei Treppenhäuser sichern die Erschließung und Rettungswege. Das südliche Treppenhaus dient als barrierefreie Haupterschließung und Fluchttreppenhaus, das nördliche als thermisch abgekoppeltes Fluchttreppenhaus.


Konstruktion und Bauweise

Das Gebäude wird im Passivhausstandard errichtet und erfüllt die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes. Die Außenwände bestehen aus 49 cm starkem, mit Perlite gefülltem Porotonmauerwerk. Die erdberührten Wände des Untergeschosses werden in 24 cm starkem Stahlbeton ausgeführt. Die Dachkonstruktion wird als Flachdach in Stahlbetonbauweise mit Warmdachaufbau hergestellt. Fenster und Außentüren sind als Holzfenster mit Aluminiumdeckschale vorgesehen. Das nördliche Treppenhaus wird in Sichtbeton ausgeführt und thermisch vom übrigen Gebäude getrennt.


Material- und Nachhaltigkeitsstrategie

Die monolithische Außenwandkonstruktion gewährleistet eine hohe energetische Qualität ohne zusätzliche Außendämmung. Die Fassadenflächen werden farbig verputzt; seitliche Gebäudeflanken erhalten einen abgesetzten Farbton zur Gliederung des Baukörpers.

Die Wärme- und Kälteversorgung erfolgt über eine Luft-Wasser-Wärmepumpe. Die Wärmeabgabe geschieht über ein oberflächennahes Heiz- und Kühlsystem in den Stahlbetondecken. Warmwasser wird dezentral über Frischwasserstationen erzeugt.

Eine Photovoltaikanlage auf den Dachflächen dient der Deckung des Eigenverbrauchs. Regenwasser wird in einer Zisterne zur Toilettenspülung genutzt; überschüssiges Niederschlagswasser wird über eine Rigole versickert.


Funktionale Besonderheiten

Die öffentlichen Bereiche im Untergeschoss sind barrierefrei erreichbar. Apartments sowie Wohn- und Essbereiche der Wohngruppen sind rollstuhlgerecht ausgeführt und bei Bedarf zuschaltbar.

Die Außenanlagen sind funktional differenziert: Neben gärtnerisch nutzbaren Flächen entstehen Spiel- und Sportbereiche mit multifunktionaler Bewegungsfläche, Rasenbereich sowie ergänzenden Spielangeboten. Eine mögliche Nutzung der Treppenhausaußenwand als Boulderfläche ist vorgesehen.


Projektstand 

 Das Projekt befindet sich aktuell in der Bauphase. 

Fotos & Visualisierungen: © Bergstermann + Dutczak Architekten. Dargestellt ist der aktuelle Planungsstand, Änderungen vorbehalten.