Liebfrauenkirche – Kolumbarium, Dortmund

Umnutzung einer neugotischen Stadtkirche zum Kolumbarium bei gleichzeitigem Erhalt als Gottesdienstraum.

Die katholische Liebfrauenkirche in Dortmund wurde nach teilweiser Profanierung als Kolumbarium genutzt und bleibt zugleich Gottesdienstraum. Im Zentrum des Verfahrens stand die Frage nach einem angemessenen Ort für Urnenbestattungen im bestehenden neugotischen Kirchenraum.

Bergstermann & Dutczak begleiteten das Wettbewerbsverfahren und übernahmen in der Umsetzung die örtliche Bauleitung.

Projektdaten

Projekt: Liebfrauenkirche – Kolumbarium – Dortmund
Bauherr: Katholische Kirchengemeinden Östliches Ruhrgebiet, Dortmund

Nutzer: Katholische Kirchengemeinde

Projektzeitraum: Wettbewerb 2008 / Planungsbeginn 2009 / Fertigstellung 2011 
Bruttogrundfläche: 1.900 m²  

Bauweise: Umbau im Bestand / Einbau eines Kolumbariums 

Leistung: Wettbewerbsbegleitung; örtliche Bauleitung 


Projektanlass und Zielsetzung

Mit der Umnutzung sollte eine neue Form christlicher Bestattungskultur im Kirchenraum entwickelt werden. Für das Erzbistum Paderborn hatte das Vorhaben Pilotcharakter. Gesucht wurde eine Lösung, die die Tradition des kirchlichen Friedhofs neu interpretiert, einen würdevollen Ort der Beisetzung schafft und zugleich die langfristige Sicherung des Kirchengebäudes unterstützt.


Wettbewerbsverfahren

Es wurde ein eingeladener Realisierungswettbewerb unter Architekten und Künstlern durchgeführt. Ziel war die Entwicklung eines Gesamtkonzepts für das Kolumbarium einschließlich Organisation, Wegeführung und Gestaltung der Urnengräber.

Den 1. Preis erhielt das Büro Staab Architekten. Dessen Entwurf wurde realisiert.

Städtebauliches und landschaftliches Konzept

Die 1883 errichtete neugotische Backsteinkirche prägt mit ihrem 74 m hohen Turm die Dortmunder Stadtsilhouette. Als erster Kirchenbau außerhalb des historischen Wallrings besitzt sie stadträumliche Bedeutung.

Das Kolumbarium verlagert den Gedanken des „Kirchhofs“ in das Innere der Kirche. Die Verstorbenen bleiben räumlich in die liturgische Mitte eingebunden. Der Kirchenraum wird tagsüber als Friedhof zugänglich und verbindet Ort des Gottesdienstes mit Ort des Gedenkens.

Architektonisches Gesamtkonzept

Der prämierte Entwurf von Staab Architekten ordnet die Urnengräber flächig auf dem Kirchenboden an. Die friedhofsähnliche Struktur nimmt die Logik traditioneller Erdbestattungen auf. Die bodenbezogene Position verweist auf das Motiv der Rückkehr zur Erde und den Kreislauf von Leben und Tod.

Die Installation bleibt mit einer Höhe von etwa 80 cm bewusst zurückhaltend. Der bestehende Kirchenraum mit seinen Proportionen und seiner vertikalen Ausrichtung bleibt die räumlich prägende Dominante. Der Eingriff versteht sich als eigenständige, klar lesbare Ergänzung im Bestand.

Konstruktion und Bauweise

Das Kolumbarium ist als Einbau im bestehenden Kirchenraum konzipiert. Die Elemente sind so dimensioniert, dass die Urnen ohne Hilfsmittel erreichbar sind. Größere Eingriffe in die historische Bausubstanz werden vermieden. Die Maßnahme folgt dem Grundsatz einer weitgehend reversiblen Umsetzung.


Material- und Nachhaltigkeitsstrategie

Für Urnenbehälter und Urnenpodeste wurde Baubronze gewählt. Das Material korrodiert leicht und unterstützt die Erdbezogenheit der Anlage. Gleichzeitig nimmt es farblich Bezug auf das frühere Kirchengestühl. Die Grabstellen erhalten individuell gestaltete Grabplatten aus Bronzeguss. Kerzenhalter und Vasen aus Baubronze sind integraler Bestandteil der Grabstätte und ermöglichen persönliches Gedenken am Ort.


Funktionale Besonderheiten

Das Konzept integriert Trauerfeiern und Gemeindegottesdienste in einen gemeinsamen räumlichen Zusammenhang. Stationen wie Urnenplatz, Buch des Lebens und Osterkerze sind in die Gesamtorganisation eingebunden. Vorgesehen sind 3.000–4.000 Urnenplätze in Einzel- und Familiengrabstätten sowie eine abschnittsweise Realisierung. Das Kolumbarium ist tagsüber öffentlich zugänglich und erhält ergänzende Infrastruktur für Verwaltung und Besucher.



Projektstand

Das Projekt wurde 2011 fertiggestellt.

Fotos: © Bergstermann + Dutczak
Planzeichnungen: © Staab Architekten GmbH. Dargestellt ist der aktuelle Planungsstand, Änderungen vorbehalten.