ZAFFA
Neubau des Zentrums für angewandte Fischerei, Fischökologie und Aquakultur

In Albaum, im Sauerland entsteht mit dem ZAFFA ein zukunftsweisendes Zentrum für angewandte Fischerei, Fischökologie und Aquakultur, das Forschung, Ausbildung und Praxis an einem Standort bündelt. Die Architektur reagiert auf die Topografie des Ortes und verbindet nachhaltige Bauweise mit funktionaler Klarheit.

Das Büro Bergstermann + Dutczak ist für die Entwicklung des architektonischen Gesamtkonzepts sowie für die Objektplanung Gebäude verantwortlich. Die Leistungen umfassen den Entwurf, die Genehmigungs- und Ausführungsplanung sowie die gestalterische Begleitung der Bauausführung in enger Abstimmung mit dem Bauherrn, den Fachplanern und den Nutzervertretungen.

Projektdaten

Projekt: ZAFFA – Neubau des Zentrums für angewandte Fischerei, Fischökologie und Aquakultur
Bauherr: Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW

Nutzer: Landesverwaltung Nordrhein-Westfalen 
(Fachbereiche Fischerei, Fischökologie und Aquakultur)

Projektzeitraum: 2020–2029
Bruttogrundfläche: 8.800 m²

Bauweise: Konventionelle Bauweise mit Holzhybridkonstruktion

Leistung: Planung und Bauleitung


Projektanlass und Zielsetzung 

Mit dem Neubau des ZAFFA wird am Standort Albaum eine zukunftsfähige Forschungs-, Ausbildungs- und Versuchseinrichtung für angewandte Fischerei, Fischökologie und Aquakultur geschaffen. Die bestehenden Gebäude entsprachen weder den aktuellen funktionalen noch den technischen und hygienischen Anforderungen, insbesondere im Bereich des Fischgesundheitsdienstes und der modernen Laboranalytik.

Ziel des Neubaus ist es, die bundesweit bedeutende Arbeit in den Bereichen Artenschutz, Fischgesundheit, Aquakultur sowie Aus- und Weiterbildung dauerhaft zu sichern und weiterzuentwickeln. Gleichzeitig soll das Zentrum als Modellstandort für nachhaltige, klimaresiliente Aquakultur und ressourcenschonende Bauweisen dienen. 

Städtebauliches und landschaftliches Konzept

Die Neubebauung fügt sich sensibel in den landschaftlich geprägten Standort ein. Die Gesamtanlage gliedert sich in mehrere Gebäudetrakte mit unterschiedlichen Nutzungseinheiten. Durch diese Auflösung in einzelne Baukörper wird eine dem Ort angemessene Maßstäblichkeit erreicht und eine starke Einbindung in die umgebende Landschaft gefördert.

Die Topografie des Grundstücks fällt von Westen nach Osten deutlich ab. Diese Höhensituation wird konstruktiv genutzt, indem der Neubau aus einem durchgehenden Sockelgeschoss auf der Teichebene sowie einem Erd- und Obergeschoss auf der Straßenebene besteht. So entstehen kurze Wege, klare Funktionszuordnungen und eine schlüssige Verzahnung von Gebäuden, Außenanlagen und Aquakulturen.

Architektonisches Gesamtkonzept

Das architektonische Konzept folgt einer klaren funktionalen Gliederung. Das Hauptgebäude mit dem zentralen Eingangsbereich und den übergeordneten Nutzungen ist dreigeschossig ausgebildet. Die sich daran anschließenden, zum Landschaftsraum orientierten Baukörper sind ein- bis zweigeschossig ausgeführt und reagieren mit ihrer niedrigeren Höhenentwicklung auf den Maßstab der Umgebung.

Die Gebäudestruktur ermöglicht eine klare Trennung und gleichzeitig enge funktionale Verzahnung von Forschung, Verwaltung, Ausbildung und Betrieb. Transparenz, Orientierung und kurze interne Wege prägen die innere Organisation.

Konstruktion und Bauweise

Sowohl Konstruktion als auch Materialwahl orientieren sich an regionalen Bautraditionen und an den standortspezifischen Rahmenbedingungen. Der Sockelbereich des Hauptgebäudes wird massiv ausgeführt, um den besonderen Anforderungen an Tragfähigkeit, Feuchte- und Hygieneschutz gerecht zu werden.

Die Obergeschosse werden in einer Holzhybridkonstruktion realisiert. Diese Bauweise verbindet die Vorteile des Holzbaus – Nachhaltigkeit, CO₂-Reduktion und angenehmes Raumklima – mit der Robustheit konventioneller Bauweisen. Die gewählte Primärkonstruktion ermöglicht durch ihre Stützenstellung und Spannweiten ein hohes Maß an räumlicher Flexibilität und bietet damit langfristige Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Nutzungsanforderungen.

Material- und Nachhaltigkeitsstrategie

Die Materialwahl folgt dem Anspruch einer nachhaltigen, langlebigen und wirtschaftlichen Architektur. Der Einsatz von regionalem Holz sowie weiterer recycelbarer Baustoffe reduziert den ökologischen Fußabdruck des Bauvorhabens. Bei der Auswahl der Bauteile und Materialien wird großer Wert auf Wiederverwertbarkeit im Sinne des Prinzipes „cradle to cradle“ gelegt. Der Gedanke, dass ein Gebäude als Materialbank oder Wertstofflager genutzt werden kann spielt eine wichtige Rolle.

Für die Energieversorgung ist eine möglichst autarke Lösung vorgesehen. Geplant ist ein innovatives Eisspeichersystem in Kombination mit einem Kraftdach und einer Wärmepumpenanlage. Des Weiteren werden auf den Dächern Photovoltaik-Anlagen realisiert. Ziel ist eine ressourcenschonende, klimafreundliche Betriebsweise über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes hinweg.



Funktionale Besonderheiten

Eine besondere funktionale Qualität stellen die entlang des Bachlaufs angeordneten Fischzuchthallen dar. Sie bilden das räumliche und funktionale Herzstück der Anlage und sind Grundlage für nahezu alle weiteren Aufgaben des Zentrums.

 

Das ZAFFA vereint verschiedene hochspezialisierte Funktionsbereiche:

  • Aquakulturen für Artenschutz-, Forschungsprojekte und Ausbildung
  • moderne Labor- und Diagnostikbereiche für den Fischgesundheitsdienst
  • Büro- und Verwaltungsflächen
  • Ausbildungs-, Schulungs- und Lehreinrichtungen mit Fischverarbeitungsbereich
  • Räumlichkeiten für die Außenfischerei

 

Damit schafft der Neubau die räumlichen Voraussetzungen für Forschung, Praxis, Ausbildung und Wissenstransfer an einem Standort.

Projektstand

Das Bauvorhaben befindet sich derzeit in der Umsetzung. Planung und Bauausführung erfolgen in enger Abstimmung zwischen Bauherrn, Nutzer und Planungsteam. Mit dem Neubau wird ein zentraler Standort für angewandte Fischerei, Fischökologie und Aquakultur geschaffen, der langfristig den steigenden fachlichen, technischen und ökologischen Anforderungen gerecht wird.

 Visualisierungen & Fotos: © Bergstermann + Dutczak Architekten. Dargestellt ist der aktuelle Planungsstand, Änderungen vorbehalten.