Grundinstandsetzung Physikalisches Institut – Universität Bonn
Sanierung und Neuordnung eines denkmalgeschützten Campus-ensembles mit Laborneubau und abgestimmten Bauabläufen für ELSA.
Die Grundinstandsetzung des Physikalischen Instituts der Universität Bonn umfasst Sanierung, Umbau, Rückbau und Ersatzneubau in einem komplexen Gebäudeensemble mit denkmalgeschütztem Kern und hochspezialisierter Forschungsinfrastruktur. Sie verbindet die denkmalgerechte Sanierung des historischen Bauteils I (1912) mit der funktionalen und technischen Neuaufstellung der flankierenden Bauteile und Teile der ELSA-Anlagen.
Bergstermann + Dutczak verantworten die Objektplanung für die Leistungsphasen 3 bis 9.
Projektdaten
Projekt: Grundinstandsetzung Physikalisches Institut, Universität Bonn
Bauherr: Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, Niederlassung Köln
Nutzer: Universität Bonn – Physikalisches Institut
Projektzeitraum: 2024 – vsl. 2031
Bruttogrundfläche: ca. 16.650m²
Bauweise: Bestandssanierung + Ersatzneubau; u. a. Stahlbetonskelettbau mit Holzaußenwänden (BT II), Stahlbau (BT V/VI), Massivbau (BT VIII)
Leistung: Objektplanung Gebäude, LP 3–9
Projektanlass und Zielsetzung
Auslöser ist das Erlöschen der Betriebserlaubnis einzelner Anlagenteile ELSA. In diesem Zuge erfolgt die umfassende Grundinstandsetzung eines heterogenen Ensembles aus mehreren, teils unterirdisch verbundenen Bauteilen mit deutlich unterschiedlichen Baualtersklassen und Zuständen. Wesentliche Treiber sind die flächendeckende Schadstoffbelastung, energetische und brandschutztechnische Erfordernisse sowie die Erneuerung der technischen Gebäudeausrüstung.
Ziel ist die Modernisierung des Instituts bei gleichzeitig denkmalgerechter Sicherung und Wiedergewinnung der räumlichen und gestalterischen Ordnung des Bauteils I. Parallel wird die funktionale Neuordnung umgesetzt: Labore und Werkstätten werden in einen Ersatzneubau (BT II) verlagert, Büro- und Lehrnutzungen im historischen Bauteil konzentriert und technische Funktionsgebäude für die ELSA-Anlage konstruktiv und betrieblich angepasst.
Die Entwurfsplanung der Anderhalten Architekten GmbH wird auf Grundlage übergebener Planungsstände fachlich geprüft, ergänzt, korrigiert und zur abgeschlossenen Entwurfsplanung fortgeschrieben.
ELSA-Anlage
kurz erklärt
ELSA steht für Elektronen-Stretcher-Anlage. Das ist eine Forschungsanlage, die Elektronen stark beschleunigt und als präzisen Strahl für Experimente bereitstellt.
Wozu dient das?
Was ist das Besondere an ELSA?
Wer nutzt die Anlage?
Wie wirkt sich das auf das Bauprojekt aus?
Städtebauliches und freiräumliches Konzept
Der denkmalgeschützte Baukörper (BT I) bildet den räumlichen Mittelpunkt des Ensembles. Ihm sind zwei formal eigenständige Bausteine (BT II und BT III) zugeordnet, die das historische Gebäude rahmen. Im Innenhof liegen technische Bauteile (BT IV–VI) sowie die infrastrukturelle Einbindung der ELSA-Anlage.
Mit dem Ersatzneubau BT II wird das Baufeld zwischen Nußallee, BT I und dem Sobottaweg neu gefasst. Randbedingungen sind unter anderem der unterirdische ELSA-Tunnel samt Lichtlabor, die dichte Leitungsführung im Sobottaweg sowie die Sicherstellung von Feuerwehr- und Anlieferverkehren. Außenanlagen sollen im Zuge der Gesamtmaßnahme neu geordnet werden (Außenanlagenplanung: N. N.).
Denkmalpflegerischer Rahmen und Vorgehensweise
Das denkmalgeschützte Hauptgebäude (BT I, 1912/13) wurde in Abstimmung mit der Denkmalpflege bauhistorisch erfasst.
Als besonders schützenswerte Bereiche gelten u. a. Windfang, Hauptflure, Haupttreppenhaus und Nebentreppenhaus sowie der Hörsaal einschließlich kassettierter Decke. Diese Räume werden restauratorisch begleitet geplant und – soweit vorgesehen – von der Schadstoffsanierung ausgenommen.
Ein zentrales Thema ist der Umgang mit den historisch typischen Vouten (Ausrundungen Wand/Decke). In Bereichen, in denen die Schadstoffsanierung einen Rückbau erfordert, werden die Vouten entfernt und anschließend in ihrer Geometrie mit schadstofffreien Materialien neu hergestellt. Neue Bauteile werden so ausgeführt, dass der Übergang zwischen Bestand und Neu ablesbar bleibt.
Architektonisches
Gesamtkonzept und
Nutzung
Ensemble und Adressbildung
Bauteil I (Denkmal – Lehre, Bibliothek, Verwaltung)
Bauteil II (Ersatzneubau – Labore, Werkstätten, Infrastruktur)
Bauteil III (ELSA-Betrieb – Umbau unter Betriebsbedingungen)
ELSA-Halle und Ringtunnel
Konstruktion und Bauweise
Für BT I und BT III gilt das Leitprinzip der Lastneutralität, um Eingriffe in Gründung und Tragwerk zu vermeiden. Dies prägt insbesondere den Dachneuaufbau in BT I und den Rückbau des 2. Obergeschosses in BT III.
BT I erhält ein neues Mansarddach: Das nach dem Krieg errichtete, nicht denkmalgeschützte Dach wird zurückgebaut. Der Neubau nimmt die historische Kubatur auf, setzt sich jedoch über Materialität und Konstruktion als zeitgenössische Schicht ab. Die Konstruktion ist zweigeteilt aus Stahlrahmenbasis und Holzdachstuhl.
BT II ist als Stahlbetonskelettbau mit aussteifenden Kernen geplant, ergänzt um nichttragende Außenwände in Holzbauweise und flexible Trockenbauinnenwände.
Technische Funktionsbauten (BT IV/V/VI/VIII) werden konstruktiv und brandschutztechnisch entsprechend ihrer Nutzung angepasst; insbesondere BT V wird als Neubau auf weit spannenden Trägern ausgeführt, um Bestandsdecken statisch nicht zu belasten.
Material- und Nachhaltigkeitsstrategie
BT I wird denkmalgerecht instandgesetzt: Fassadenrestaurierung und Farbkonzept auf Basis restauratorischer Untersuchung, energetische Maßnahmen überwiegend innen (Dämmputz, Laibungsdämmung), Fenstererneuerung als Holzfenster; bauzeitliche Elemente werden restauriert und ertüchtigt.
BT II erhält eine vorgehängte Stahlblechfassade aus verzinkten Glattblechen mit vertikaler Gliederung; Dachflächen sind teilweise extensiv begrünt, PV-Flächen sind vorgesehen. Der ATLAS-Serverraum wird im Untergeschoss BT II nahe der Wärmepumpenzentrale angeordnet; Abwärme wird zur Beheizung genutzt, Spitzenlasten werden über Fernwärme abgedeckt.
Funktionale Besonderheiten
Die Grundinstandsetzung verbindet drei anspruchsvolle Ebenen: Schadstoffsanierung im laufenden Hochschulkontext, denkmalgerechte Eingriffe in schützenswerte Substanz und die Aufrechterhaltung bzw. Wiederinbetriebnahme des ELSA-Betriebs. Daraus ergeben sich besondere Anforderungen an Bauabläufe, Schutzmaßnahmen, Zugänglichkeit, Rettungswege und die Koordination von Bau- und Strahlzeiten.
Projektstand
Die Entwurfsplanung (LP 3) wird im 3. Quartal 2026 abgeschlossen; die weitere Bearbeitung erfolgt dann in den Leistungsphasen 4 bis 9.
Für die Dauer der Grundinstandsetzung ist das Physikalische Institut teilweise in das von Bergstermann + Dutczak Architekten ebenfalls geplante Rotationsgebäude ausgelagert, das im September 2024 in Betrieb genommen wurde. Dort sind im ersten Nutzungszyklus neben Teilen der Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften auch Bereiche der Physik untergebracht.
Visualisierungen: © Bergstermann + Dutczak Architekten. Dargestellt ist der aktuelle Planungsstand, Änderungen vorbehalten.